Weltverändernde Unternehmen und Institutionen – 5: IBM

26.06.2026 · GGM

Wer ist IBM?

Der Technologieriese, der das Computerzeitalter geprägt hat

Heute mag es nicht ungewöhnlich erscheinen, dass ein Unternehmen, das für seine technologischen Erfolge bekannt ist, zugleich fest von der Bedeutung hervorragenden Designs überzeugt ist. Von Smartphones und Laptops über elektronische Geräte bis hin zu Automobilen verbinden wir Hochtechnologie oft mit elegantem Design. Doch das war nicht immer so. Als Vorreiter im Design legte IBM großen Wert auf Forschung und Entwicklung im Bereich Design.

Wenn heute von Technologiegeschichte die Rede ist, kommen meist Namen wie Apple, Microsoft oder Intel in den Sinn. IBM (International Business Machines), eines der Unternehmen, das die Grundlagen der modernen Computerindustrie gelegt hat, gehört jedoch mit einer Geschichte von mehr als 100 Jahren zu den wichtigsten Akteuren der digitalen Welt.

Warum ist IBM so wichtig?

Die Entwicklung von Lochkarten hin zur globalen Technologieführerschaft begann, als Herman Hollerith 1896 in Washington, D.C. die Tabulating Machine Company gründete, die den grundlegendsten Ursprung von IBM bildet. Grundlage dafür war Holleriths Erfindung der Lochkarten-Tabuliermaschine, die er für die Volkszählung von 1890 entwickelte.

Im Jahr 1911 wurde das Unternehmen durch den Zusammenschluss mehrerer Firmen als Computing-Tabulating-Recording Company (CTR) gegründet, und 1924 wurde es in International Business Machines (IBM) umbenannt. Damit war IBM geboren.

Bis 1928 führte IBM das 80-Spalten-Lochkartensystem ein. Dieses System wurde jahrzehntelang weltweit als Standard für die Datenverarbeitung verwendet. Banken, staatliche Institutionen und große Unternehmen begannen, Millionen von Datensätzen mit IBM-Systemen zu verwalten. In dieser Zeit war IBM nicht nur ein Unternehmen, das Maschinen herstellte, sondern ein Technologieführer, der die Zukunft des Datenmanagements prägte.

Übergang ins Computerzeitalter

Als sich elektronische Technologien Ende der 1940er Jahre rasant entwickelten, erkannte IBM, dass die Zukunft mechanischer Systeme begrenzt war. Das Unternehmen stieg in den Bereich des elektronischen Rechnens ein, indem es an wegweisenden Computerprojekten wie dem Harvard-Mark-Projekt mitwirkte.

Als der Konkurrent UNIVAC 1951 einen der weltweit ersten kommerziellen Computer auf den Markt brachte, erregte dies große Aufmerksamkeit. Daraufhin fürchtete IBM, den Anschluss zu verlieren, erhöhte seine Investitionen und stieg kraftvoll in die Computerbranche ein.

IBM 650 und die Revolution der kommerziellen Computer

Der 1953 vorgestellte IBM 650 wurde zu einem der erfolgreichsten frühen Computer der Welt. Dieses System, das Prozesse wie Buchhaltung, Lohnabrechnung und Bestandsverwaltung automatisierte, zeigte, dass Computer nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für die Geschäftswelt unverzichtbar waren. Der Erfolg des IBM 650 markierte den Beginn der Führungsrolle des Unternehmens auf dem Computermarkt.

Der IBM 650 war kein Mikroprozessor, sondern ein vollständiges Computersystem. Er wurde 1953 von IBM angekündigt und war der weltweit erste in Serie produzierte kommerzielle Computer. Sein vollständiger Name lautete „IBM 650 Magnetic Drum Data-Processing Machine“. Dieses System, das zu seiner Zeit als elektronisches Gehirn bezeichnet wurde, ist einer der wichtigsten Meilensteine der Computergeschichte und war zugleich der erste Computer, der in die Türkei kam.

Die Erfindung der Festplatte (1956)

Sie zählt zu den größten Erfolgen von IBM in der Technologiegeschichte. Im Jahr 1956 entwickelte IBM mit dem RAMAC 305 das weltweit erste Festplattenlaufwerk. Dieses System, das etwa 5 MB Daten speichern konnte, bildete die Grundlage aller heute verwendeten Festplattentechnologien.

IBM System 360: Das Projekt, das die Computergeschichte veränderte

Im Jahr 1964 stellte IBM mit dem System 360 eines der wichtigsten Computerprojekte der Geschichte vor. Dank dieses Systems konnten Computer unterschiedlicher Größe dieselbe Software ausführen und dieselbe Architektur verwenden. Viele Technologiehistoriker betrachten System 360 als einen der Ausgangspunkte der modernen Computerindustrie.

SQL und Datenbanken

IBM-Forscher leisteten in den 1970er Jahren Pionierarbeit bei der Umsetzung der Theorie relationaler Datenbanken. IBM trug maßgeblich zur Entwicklung der heute verwendeten SQL-Sprache bei.

Barcode-Technologie

IBM spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der heute in Supermärkten verwendeten Barcode-Systeme. Der erste kommerzielle Barcode-Scan wurde 1974 mit IBM-Technologien durchgeführt.

IBM und die Revolution des Personal Computers

Im Jahr 1981 wurde der IBM PC auf den Markt gebracht. Dieses Produkt bildete die Grundlage der Desktop-Computer, die wir heute verwenden.

Im IBM PC:

  • Als Prozessor wurde Intels 8088-Mikroprozessor verwendet.
  • Als Betriebssystem wurde Microsofts MS-DOS-Software gewählt.

Diese Entscheidungen beschleunigten den Aufstieg von Intel und Microsoft und legten zugleich die Standards der Personal-Computer-Branche fest.

Ist Lenovo IBM?

Im Jahr 2005 kaufte Lenovo die PC-Sparte von IBM für etwa 1,75 Milliarden Dollar. Das in China ansässige Unternehmen Lenovo war 2009 nach HP, Dell und Acer mit einem Marktanteil von 28,6 % der viertgrößte Computerhersteller der Welt.

Derzeit behauptet das Unternehmen mit einem Anteil von 26 % seine Position als Weltmarktführer bei Personal Computern.

IBMs Supercomputer

IBM ist nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute ein wichtiger Akteur in der Technologiewelt.

Im Jahr 1997 schrieb der von IBM entwickelte Supercomputer Deep Blue Geschichte, indem er den Schachweltmeister Garry Kasparov besiegte.

Im Jahr 2011 übertraf das künstliche Intelligenzsystem Watson menschliche Gegner in der Quizshow Jeopardy!. Dieser Erfolg gilt als einer der Meilensteine, die den Weg für kommerzielle Anwendungen künstlicher Intelligenz ebneten.

Ein Vorreiter in Design und Corporate Identity

IBM hat nicht nur mit seinen technologischen Innovationen Aufmerksamkeit erregt, sondern auch mit der Bedeutung, die das Unternehmen dem Design beimaß. Das unter der Leitung von Eliot Noyes in der Ära von Thomas J. Watson Jr. entwickelte Corporate-Design-Programm war eine Premiere im Technologiesektor.

Die Grundlagen vieler heute verwendeter Ansätze im Bereich Markenführung und Industriedesign wurden von IBM gelegt.

Fazit

Die von IBM entwickelten Technologien sind zu zahlreich, um sie vollständig aufzuzählen. Dazu gehören die Festplatte, SQL-Datenbankforschung, das Barcode-System und Arbeiten am DRAM-Speicher.

In der im Juni 2025 veröffentlichten Roadmap erklärte IBM, dass Fehlerraten das größte Hindernis für Quantencomputer darstellen, und kündigte an, dass der Computer namens Quantum Starling, den das Unternehmen bis 2029 bauen will, zum weltweit ersten groß angelegten fehlertoleranten Quantencomputer werden soll. Das Unternehmen gibt an, dass dieses System weitaus komplexere Probleme lösen können wird als heutige Quantencomputer.

IBM ist nicht nur ein Computerunternehmen. Mit Innovationen, die von Lochkarten über Festplatten, von Mainframes bis zu Personal Computern und von künstlicher Intelligenz bis hin zu Quantencomputern reichen, ist IBM eine der einflussreichsten Institutionen der Technologiegeschichte. Die von IBM entwickelten Technologien bilden die Grundlage der Computer, Rechenzentren und vieler digitaler Dienste, die wir heute nutzen. Aus diesem Grund gilt IBM als einer der unsichtbaren Architekten des modernen Informationszeitalters.

Heute setzt IBM seine Arbeit in den Bereichen Cloud Computing, Quantencomputer und künstliche Intelligenz fort und prägt auch in seinem zweiten Jahrhundert weiterhin die Zukunft der Technologiewelt.

Quellen;

  1. IBM Corporation. „IBM History“. IBM Archives.
  2. IBM Corporation. „IBM 650 Magnetic Drum Data-Processing Machine“.
  3. IBM Corporation. „IBM System/360 Announcement and History“.
  4. IBM Corporation. „IBM Quantum Roadmap and Quantum Starling Project“.
  5. Charles H. House und Raymond L. Price, IBM: The First Century, IBM Press, 2014.
  6. Emerson W. Pugh, Lyle R. Johnson und John H. Palmer, IBM’s 360 and Early 370 Systems, MIT Press, 1991.
  7. Emerson W. Pugh, Building IBM: Shaping an Industry and Its Technology, MIT Press, 1995.
  8. Paul E. Ceruzzi, A History of Modern Computing, MIT Press.
  9. Martin Campbell-Kelly und William Aspray, Computer: A History of the Information Machine, Westview Press.
  10. IBM Research, „RAMAC 305 and the First Hard Disk Drive“.
  11. Thomas J. Watson Jr., Father, Son & Co.: My Life at IBM and Beyond, Bantam Books.